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Caridina Japonica

Date:April 8, 2006 2:10 pm
Subject:Science
Word Count:1946
Page Count:8

Caridina Japonica

Caridina japonica,
die Amanogarnele Yamato-numa-ebi
Süßwassergarnelen der Gattungen Atyopsis, Macrobrachium und Caridina erobern schon seit langer Zeit die Becken und Herzen
derjenigen Aquarianer im Sturm, die so unvorsichtig waren, sich ernsthaft mit diesen faszinierenden Wirbellosen einzulassen. Dennoch
mußten sie hinsichtlich einer breiteren Popularität meist hinter der beflossten Konkurrenz ein unverdientes Nischendasein fristen,
obwohl sie doch mit Eigenschaften aufwarten können, die besonders einige Vertreter zu fast idealen Aquariumbewohnern machen.
Zuzutrauen wäre ihnen selbstverständlich auch, daß sie ihren großen Auftritt auf einen Zeitpunkt verlegen wollten, der ihnen hierfür
endlich einen angemessenen Rahmen bieten konnte.
Opfer dieser ausgeklügelten Strategie wurde schließlich der japanische Fotograf und Pflanzenliebhaber Takashi Amano, der mit seinen
phantastischen Fotobänden und der Präsentation seines Konzeptes eines Naturaquariums nicht nur der Aquaristik weltweit neue,
interessante Impulse vermittelte, sondern auch einer kleinen Süßwassergarnele ihr coming out.
Es ist angerichtet... verschiedene Algen unter dem Mikroskop
Warum genießt nun unter zahllosen Arten der Gattung Caridina ausgerechnet C. japonica inzwischen geradezu einen Kultstatus ?
In Pflanzenbecken mit sehr mäßigem Fischbesatz, starker Beleuchtung und entsprechend hierauf abgestimmter CO2-Zufuhr finden nicht
nur Wasserpflanzen günstige Bedingungen vor, sondern auch verschiedene Algenarten, insbesondere Fadenalgen. Gerade bei solch
einem schnellen Becken laufen gelegentlich einmal einige Faktoren schneller aus dem Ruder, als man mit Korrekturen nachkommen
kann und die Algen nutzen die Gunst der Stunde, sich nicht dankbar auf das ihnen wohlwollend eingeräumte Maß zu beschränken.
Auf der Suche nach einer natürlichen Algenprophylaxe hat Takashi Amano parallel zum Einsatz von Otocinclus-Arten (für die Scheiben
*g*) mit verschiedenen einheimischen Süßwassergarnelen experimentiert. C. japonica aus der Region Yamato soll sich dabei als die
weitaus effizienteste Art erwiesen haben.
Yamato-numa-ebi - charakteristischer Rückenstreifen
Nachdem ich selbst seit einiger Zeit Erfahrungen mit verschiedenen Süßwassergarnelen sammeln konnte, vor allem mit Neocaridina
denticulata und meinem persönlichen kleinem Favoriten, der Zebra- oder Rotschwanzgarnele C. serrata, stand ich den
sagenumwobenen Qualitäten von C. japonica als Rasenmäher für Fadenalgen mehr als skeptisch gegenüber.
Kennengelernt hatte ich meine Garnelen bisher als ausgesprochene Allesfresser, bevorzugt wurde immer genau das Futterangebot,
welches bei geringstem Aufwand die meiste Energie lieferte. Die Palette reicht von Tubifex über Trockenfuttertabletten bis hin zu
abgestorbenen Pflanzenteilen. Algen waren auch dabei...
Irgendwann war ich vollständig vom Garnelen-Bazillus durchdrungen, und meine C. serrata stießen mit ihrer energischen Forderung
nach einem eigenen Becken nur auf schwache Gegenwehr, da ich ohnehin die Einrichtung eines Pflanzenbeckens ohne jeglichen
Fischbesatz plante. Schon nach kurzer Zeit bekundeten die kleinen Racker ihr Wohlgefallen am neuen Lebensraum durch monatliche
Verdoppelung des Bestandes, kamen aber der ihnen zugedachten Aufgabe als Algenkontrolleure nur mehr als nachlässig nach. Ich sah
mich der gewaltigsten Explosion von Fadenalgen in meiner langjährigen aquaristischen Laufbahn ausgesetzt, während die
Rotschwanzgarnelen zu Hunderten feixend auf den Blättern saßen und sich die Bäuche hielten vor Lachen... Derart provoziert, hielt
umgehend die Rache des kleinen Mannes Einzug in das Becken, indem ich den undankbaren Gesellen mit etwa zwanzig C. japonica
ihre aufgeblasene, berühmte Verwandtschaft vor die gerümpfte Nase setzte.
Caridina japonica (Decapoda - Caridea, Fam. Atyidae) wird mit etwa 5,5 cm deutlich größer als die nur 2,5 cm erreichenden C. serrata,
kann farblich zwar nicht ganz mithalten, bringt aber sonst alle positiven Eigenschaften mit, die den Reiz dieser geselligen
Schnellkomposter mit großem Unterhaltungswert ausmachen. Schnell ihr ausgesprochenes Glück erfassend, bei einem
ausgesprochenen Garnelenfreund gelandet zu sein, der sie vorurteilsbeladen auf ihre hochgepriesenen, besonderen Eigenschaften hin
abzuklopfen gedachte, machten sich die Neuankömmlinge sogleich an die Arbeit und vertilgten unter den staunenden Augen ihres
Gastgebers sämtliche Fadenalgen binnen weniger Tage. Dieses Ergebnis übertraf meine kühnsten Erwartungen und so fällt es mir auch
nicht schwer, als frischgebackener Jünger des C. japonica Kultes hier ein bißchen Werbung für diese Art zu machen.
Die Ansprüche hinsichtlich der Haltungsbedingungen unterscheiden sich nur unwesentlich von denen anderer Süßwasserdecapoden.
Wie alle Wirbellosen, reagieren Garnelen sehr empfindlich auf Metallverbindungen, insbesondere Kupfer. Dies ist im Zusammenhang mit
einer Behandlung etwaig auftretender Fischkrankheiten zu bedenken.
Ein Aquarium, in dem sich Garnelen wohlfühlen....
Die Haltung von Caridina japonica im Gesellschaftsbecken ist gut möglich, nur sollte man sich hüten, ihnen räuberische oder besonders
aufdringliche Fischarten zur Seite stellen zu wollen. Krebstiere machen in den Ursprungsländern der Aquarienfische einen großen Teil
des Speiseplans aus. Dort treten die hier so kostbaren Garnelen zeitweise in derartigen Mengen auf, daß Fänger der eigentlichen
Objekte der Begierde alle Hände voll zu tun haben, diese Lästlinge immer wieder aus den Maschen ihrer Fangnetze
herauszuoperieren.
Auch wenn Garnelen Meister der Tarnung sind und sich auf vielerlei trickreiche Verfahren verstehen, dem Zugriff ihrer Jäger zu entgehen,
so wird man bei falscher Vergesellschaftung nichts von ihrem interessanten Sozialverhalten zu Gesicht bekommen, unter Umständen
sogar annehmen, die Tiere seien wohlmöglich gestorben, obwohl sie nur im Geheimen ihr Unwesen treiben. Auch die Pflanzen werden
dann nicht mehr begärtnert, so daß die ihnen im allgemeinen bei der Anschaffung zugedachte Aufgabe der Algenkontrolle ein
Wunschtraum bleiben muß...
Setzt man aber eine ausreichend große Gruppe (ab 10 Tieren aufwärts, je nach Beckengröße) in ein eingefahrenes, gut bepflanztes
Aquarium mit ausreichend Versteckmöglichkeiten, so entfalten sich die liebenswerten Eigenschaften dieser geselligen Asiaten und man
wird seine helle Freude an ihnen haben.
Die Temperaturtoleranz erstreckt sich über den weiten Bereich von 15-28 °C, wobei höhere Temperaturen (über 30 °C) unbedingt
vermieden werden sollten, da C. japonica als kein ausgesprochen tropischer Vertreter der Gattung hierauf mit einer weißlichen
Eintrübung reagiert, welche an eine Eiweißgerinnung denken läßt und den Einzug in den Garnelenhimmel nach sich zieht. Die
organische Wasserbelastung sollte man so gering wie möglich halten, höhere Nitratwerte über 25 mg/l, die für Fische im allgemeinen
noch kein nennenswertes Problem darstellen, werden nur schlecht vertragen.
Bezaubernd und nützlich: die Amanogarnele
Allerdings wird man in einem klug geplanten Pflanzenbecken mit mäßigem Besatz/Fütterung keine Schwierigkeiten haben, diesen Wert
weit zu unterbieten, soweit man nicht schon auf stark belastetes Ausgangswasser zurückgreifen muß.
Wie man sieht, fügt sich C. japonica als idealer Baustein nahtlos in ein aus meiner Sicht wünschenswertes Aquariumgesamtkonzept
ein, mit einer kleinen Einschränkung vielleicht:
Die notwendige Ergänzung des wichtigen Kohlenstoffes über die Einleitung von CO2 sollte man etwas zurückhaltender handhaben, da
der Bedarf der Garnelen an Calcium, besonders vor und während der kritischen Häutungsphasen, relativ hoch ist.
Groß ist der Schreck, wird man erstmalig unvorbereitet mit dem Phänomen der Häutung konfrontiert. Unweigerlich nimmt man zunächst
an, man hätte ein verstorbenes Tier vor Augen. Nach genauerer Inspektion löst sich dieser Schreck aber schnell in Erleichterung auf, da
man feststellt, daß es sich nur um die weiche, leere Chitinhülle handelt. Der ursprüngliche, aus der Haut gefahrene Inhalt erstrahlt
unterdessen an einem sicheren Ort im neuen Glanz und wartet auf die Aushärtung des noch weichen, neuen Exoskelettes.
Da auch kleine Krebstiere einmal groß und stark werden wollen, ihre starre Hülle jedoch nicht mitwachsen will, muß diese in
regelmäßigen Abständen erneuert werden. So beneidenswert eine solche Fähigkeit auch auf uns Menschen wirken mag, für die
Garnelen ist die Phase vor, während und nach der Häutung eine überaus kritische Zeit, in der hochkomplizierte Stoffwechselvorgänge
ablaufen und sogar verlorengegangene Gliedmaßen wieder regeneriert werden können. Schon einige Tage vor der Häutung wird die
Nahrungsaufnahme eingestellt, da auch innere Organe miteinbezogen sind. Das wertvolle Calzium wird neben anderen, wichtigen
Mineralstoffen aus der alten Hülle resorbiert und die Garnele beginnt, ihren Körper mit Wasser aufzupumpen, bis die alte Hülle an einer
Sollbruchstelle aufplatzt. Nach dem Herauszwängen aus diesem Spalt wird die neue Hülle weiter mit Wasser aufgepumpt, so daß es zu
einer Volumenvergrößerung von bis zu 25% kommen kann. In diesem Stadium sind Krebstiere ihren Feinden (und auch Artgenossen)
schutzlos ausgeliefert, so daß schnellstmöglich das zuvor eingelagerte Calzium in die noch weiche, neue Hülle wieder eingebaut wird.
Sind genaue Informationen zur Haltung von Süßwassergarnelen schon Mangelware, so ist man bei dem Versuch einer erfolgreichen
Vermehrung nahezu gänzlich auf eigene Versuche angewiesen. Hierin liegt aber andererseits auch eine große Herausforderung, da man
beim Betreten dieses aquaristischen Neulandes interessante Erkenntnisse sammeln kann.
Geselliges Beisammensein ....
Möchte man einmal einen solchen Versuch wagen, sollte man für eine gute Ausgangsposition möglichst mit einer größeren Gruppe von
C. japonica beginnen und darauf achten, unterschiedlich große Tiere zu erwerben. Bei den größeren, etwas plumper wirkenden Tieren
handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Weibchen. Richtige Glückspilze können im Händlerbecken auch bereits eiertragende,
weibliche Tiere entdecken.
Da sich die wesentlichen Betätigungsfelder (nicht nur) der Garnelen ohnehin auf Futter fassen und ausgiebige Anstrengungen zur
Arterhaltung erstrecken, wird man aber auch ohne solches Glück gehabt zu haben, bald die ersten Weibchen mit Eiern entdecken
können. Dafür stehen schon die Garnelenmänner gerade, welche ihren Teil geradezu penetrant gewissenhaft beitragen...
Eine erfolgreiche Begattung erkennt man daran, daß in den Gonaden über dem Kaumagen die Eipakete angelegt werden. Nach der
nächsten Häutung werden diese in einen Brutraum im Bereich der Schwimmfüße abgelassen, ausgiebig vom Weibchen geputzt und mit
Frischwasser befächelt. Die Tragzeit bei Caridina japonica beträgt etwa 14 Tage, dann werden die winzig kleinen Larven in das Wasser
entlassen.
Ja, und nun wird es leider problematisch:
Bislang ist es mir nicht gelungen, diese im Wasser freischwebenden Larven über einen größeren Zeitraum als etwa drei Tage am Leben
zu erhalten. Es hat den Anschein, als gäbe es bei dieser Caridina-Art Parallelen zur Gattung Atyopsis, deren Larven zwar ebenfalls im
Süßwasser freigesetzt werden, dann aber mit der Strömung ins Salzwasser (Brackwasser) verdriftet werden, ihre weitere Entwicklung
über verschiedene Larvenstadien bis hin zur Junggarnele dort abschließen, um dann wieder ins Süßwasser zurückzukehren. Auch
bezüglich des Futterangebotes für die einzelnen Larvenstadien kann ich zur Zeit noch keine genauen Angaben machen.
Eine spannende Aufgabe, deren Bewältigung ich auch erst seit kurzer Zeit in Angriff genommen habe.
Daß andere Caridina-Arten, wie z.B. C. serrata, hier einen ganz anderen Weg der Bestandserhaltung eingeschlagen haben, das ist
wieder eine andere Geschichte...
Caridina japonica,
ein Zuchtbericht
Die Aufzucht bietet interessante Einblicke in den Entwicklungszyklus solcher Süßwassergarnelen, deren Larven ihre
Entwicklung (noch) im Brack- oder Meerwasser durchlaufen müssen und ist keinesfalls so aufwendig, daß man sich von
einem Versuch abhalten lassen sollte. Interesse, ein wenig Geduld und das Vorhandensein beider Geschlechter schaffen
die nötigen Grundvoraussetzungen. Zum sicheren Ausmachen der Geschlechtsunterschiede (soweit nicht weibliche
Tiere bereits Eier tragen) greife ich auf die verblüffend einfache Beobachtung von Fumitoshi Mori in Aquaristik aktuell
(7/8 98) zurück: Bei weiblichen C. japonica ist die erste Punktreihe über den Schwimmfüßen zu länglichen Strichen
ausgezogen.
Nach einer Tragzeit von etwa 30 Tagen werden durchschnittlich 2000 Larven vom Weibchen nach und nach in das
Süßwasser entlassen, der größte Teil hiervon in der Nacht. Diese treiben kopfunter als winzige Kommata im freien
Wasser, reagieren positiv phototaktisch und lassen sich daher mit einer kleinen Lampe in eine Ecke des Aquariums
locken und absaugen. Alternativ kann man das Weibchen auch rechtzeitig in einem kleinen Becken separieren.
Die abgesaugten Larven habe ich dann ohne weitere Umgewöhnung direkt in ein rechtzeitig vorbereitetes
Brackwasserbecken (50x30x30) überführt. Der Salzgehalt beträgt 17g/Liter, verwendet wurde handelsübliches Meersalz
aus dem Aquaristikbedarf. Dieses Becken erhält ausschließlich mildes Tageslicht, die Temperatur wird mittels
Stabheizer auf 25 °C eingeregelt. keinesfalls darf eine Belüftung installiert werden, anfängliche Mißerfolge hatten ihre
Ursache darin, daß die Larven in fortgeschrittenem Stadium Luft unter den Panzer bekamen, an der Oberfläche trieben
und sich von dieser nicht wieder lösen konnten. Eine aufgelegte Abdeckscheibe verhindert die Aufsalzung durch
Verdunstung. Man sollte ein solches Aufzuchtbecken rechtzeitig vorbereiten, es stellen sich neben einem üppigen
Bewuchs mit Kieselalgen auch andere Mikroorganismen ein, welche das Nahrungsangebot für die Larven ergänzen. Als
Aufzuchtfutter verwende ich geringe Mengen kurz aufgeschüttelter Trockenhefe. Diese bildet einerseits die Grundlage für
die Entwicklung von Bakterien und deren Konsumenten, wird andererseits aber auch direkt von den Larven
aufgenommen. Größere Partikel sinken zu Boden, kleinste Partikel gehen für lange Zeit in Suspension und stehen im
freien Wasser zur Verfügung.
Die Larven durchlaufen nun in einem weiteren Monat in ihrer Entwicklung insgesamt neun sogenannte Zoea-Stadien. Erst
dann erfolgt die Metamorphose zum ersten juvenilen Stadium. Nun kann man auch mit bloßem Auge die Schwimmfüße
ausmachen, und die Junggarnelen lassen von ihrer bis dahin planktonischen Lebensweise ab und weiden die Kieselalgen
auf den Scheiben ab. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kleinen über den Berg und haben eine Größe von etwa 5mm erreicht.
Ich lasse die Junggarnelen im Brackwasser auf eine Größe von etwa 2cm heranwachsen, dann lassen sie sich
erstaunlicherweise wieder ohne Anpassung direkt in das Süßwasser überführen und ohne Probleme weiter aufziehen.
Puhh :-), soweit ausnahmsweise im Telegramm-Stil die wichtigsten Informationen zu diesem Thema.
Es würde mich freuen, wenn Ihr trotzdem Lust bekommen habt, auf diese Weise resourcenschonend die Bestände
aufzustocken...
Laßt Euch durch anfängliche Mißerfolge nicht abschrecken, es überstehen auch bei weitem nicht alle Larven diese
strapaziöse Prozedur. Sitzen aber die ersten kleinen Amanos im Becken, ist der verhältnismäßig moderate Aufwand
schnell vergessen...

Animal Science

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